
Friedenspreis für Trump, WM 2034 für Saudi-Arabien und ein Fifa-Präsident, der einem Autokraten nach dem anderen fleissig die Hand schüttelt.
Fußball erzählt sich gerne als universelle Sprache, als Brücke zwischen Kulturen, als das Spiel, das die Welt verbindet. Doch je größer die Bühne wird, desto mehr drängen sich andere Akteur:innen ins Bild: Staatschefs, Sportfunktionär:innen, Autokraten, PR-Strateg:innen.
Bei Sportevents wird immer öfter von Sportswashing gesprochen. Dabei instrumentalisieren politische Entscheidungsträger:innen den Sport, um im globalen Rampenlicht wichtig oder legitim zu erscheinen, während sie gleichzeitig Nationalismus schüren und von chronischen sozialen Problemen sowie Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land ablenken.
Sportswashing richtet sich auch an die heimische Bevölkerung: Regierungen nutzen die Mega-Events zur verstärkten Militarisierung und um Sonderregelungen zu erlassen, die sie sonst niemals durchsetzen könnten. Spätestens seit der WM der Männer in Katar im Jahr 2022 ist der Begriff auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Fallhöhe. Die aktuellen Spiele 2026 in Kanada, Mexiko und den USA hätten die erste Fußball-WM überhaupt werden sollen, die auf einem menschenrechtlichen Fundament basiert. Die Bewerbung enthielt ein ausgearbeitetes Konzept mit Schutzmaßnahmen für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Stattdessen lassen das brutale Vorgehen der US-Regierung gegen migrantisierte Personen, diskriminierende Maßnahmen u. a. gegen LGBTIQ+ Personen sowie die Bedrohung der Pressefreiheit das Turnier zum Schauplatz von Ausgrenzung und Angst werden.
Donald Trump hat in Fifa-Präsident Gianni Infantino einen willigen Komplizen. Ende 2025 trafen sich die beiden, um bekannt zu geben, dass die Auslosung der WM im Dezember in Washington, D.C. stattfinden werde. Und im Rahmen dessen wurde dann noch der neu ins Leben gerufene Fifa-Friedenspreis an Trump verliehen. Ohne Auswahlverfahren oder Jury. Das zeigt, dass nicht nur Länder, sondern auch eine Sportvereinigung wie die Fifa Sportswashing betreiben kann.
Die Verleihung des Preises verstößt gegen die Pflicht des Weltfußballverbands zur politischen Neutralität und steht im Widerspruch zu den eigenen Statuten. Laut NGOs trägt die Fifa dazu bei, das Image eines Staatschefs zu glätten, dessen Regierung mehrere globale Konflikte, inklusive des Angriffs auf das WM-Teilnahmeland Iran, eskalieren lässt.
Schönfärberei. „Die WM wird von Regierungen genutzt, um ihre Menschenrechtsbilanz zu beschönigen. Doch nun betreibt die Fifa dieses Sportswashing selbst. Die Verleihung des ersten ‚Fifa-Friedenspreises‘ an den US-Präsidenten ohne klare Kriterien oder Verfahren ist Sportswashing auf Steroiden“, sagt Andrea Florence, Geschäftsführerin der internationalen Menschenrechtsorganisation Sport & Rights Alliance.
Die Austragung der WM für 2034 wurde an Saudi-Arabien vergeben. Die positive Bewertung der Bewerbung des Königreichs verschleiert dessen problematische Menschenrechtsbilanz: politische Dissident:innen und Frauen werden unterdrückt, LGBTIQ+ Personen kriminalisiert und hunderte Menschen hingerichtet. So geht die Geschichte des Sportswashings in die Verlängerung.

Hanna Stepanik ist Projektreferentin bei der Fairplay Initiative und leitet den Bereich „Sport und Menschenrechte“. Davor war sie u. a. an der Universität Wien und bei NGOs in England tätig.
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